angedockt - Medienbildung Hamburg - Teil 4:

Medienbildung in Hamburger Schulen ab Klasse 5.
Für alle, nur wie?

Ein Hauch von Tafelkreide lag in der Luft des Hamburger Schulmuseums, als es im vierten Teil von „angedockt“ um das Thema „Medienbildung ab der 5. Klasse“ ging. Lehrer, Eltern und Vertreter der Medienkompetenz-Szene waren gekommen, um mit Hamburgs Schulsenator Ties Rabe und der FDP-Bildungspolitikerin Anna von Treuenfels-Frowein zu diskutieren. Der Saal war voll besetzt - ein Zeichen dafür, dass das Thema allen Beteiligten unter den Nägeln brennt.

Mit Konzept: Die Chancen digitaler Medien nutzen!

Schulsenator Rabe machte gleich eingangs deutlich, dass Medienbildung mehr sei, als die bloße technische Ausstattung von Schulen und die Nutzung digitaler Endgeräte. Vielmehr gehe es darum, dass Schulen die Chancen digitaler Medien für Bildungsprozesse nutzen, gleichzeitig aber auch über Risiken der digitalen Mediennutzung aufklären müssten. Das betreffe ganz besonders Soziale Netzwerke. Für diese vielschichtige Aufgabe brauche es didaktische Konzepte.

Ausgehandelt

Mit Blick auf den derzeitigen Stand der Berliner Koalitionsverhandlungen* zeigte sich Rabe äußerst zufrieden: Sollte die Große Koalition zustande kommen, erhalte in Hamburg jede weiterführende Schule eine halbe bis eine dreiviertel Million Euro für ihre digitale Ausstattung vom Bund. Hamburger Grundschulen erhielten jeweils eine halbe Million Euro. Das Ziel, alle Hamburger Schulräume mit WLAN auszustatten, rücke damit näher. [*Stand: 12. Februar 2018]

Medienbildung ist Pflichtaufgabe für Schüler und Lehrer

Anna von Treuenfels-Frowein, Bildungspolitikerin und Fraktionsvorsitzende der FDP in der Hamburgischen Bürgerschaft, begrüßte diese Ziele. Sie hielt dem Senator aber gleichzeitig entgegen, dass es an ihrer Umsetzung derzeit erkennbar mangele. Sie forderte, dass Medienbildung endlich eine Pflichtaufgabe in allen Fächern werden müsse. Zudem sei entscheidend, Medienbildung verpflichtend für angehende Lehrkräfte im Studium und im Referendariat zu verankern. An dieser Stelle sei noch viel zu tun.

Bei der Frage, wer denn die Konzepte für die Nutzung der vielen neuen Geräte erarbeiten würde, bat der Schulsenator um etwas Geduld. Immerhin sei Medienbildung in Hamburg Teil des Lehrplans und damit eigentlich für alle Fächer verpflichtend. Ein eigenes Unterrichtsfach „Medienbildung“ lehne er hingegen ab. „Wenn es nötig und gewünscht ist“, so der Senator, „verordne ich auch die Medienbildung.“ Treuenfels-Frowein griff diese Äußerung unverzüglich auf und forderte: „Gut zu hören, Herr Senator, dann verordnen Sie bitte die Medienbildung!“

Best Practice-Beispiele aus Hamburger Schulen

Treuenfels-Frowein begrüßte die Initiative des Gymnasiums Lerchenfeld, das im Rahmen seines Medienprofils das Fach „Audio-Visuelle-Medien“ anbietet. Ebenso zeigte sie sich erfreut über das Kurzfilmprojekt „Filmfabrik Dulsberg“, das vier Schüler der Stadtteilschule „Alter Teichweg“ vorstellten. Dies seien jedoch Einzelinitiativen, so Treuenfels-Frowein, viele andere Schulen in Hamburg seien von solch vorbildlichen Aktivitäten noch weit entfernt.

Grundlage für Ausbildung und Beruf

Auch die Hamburger Wirtschaft setzt sich für mehr schulische Medienbildung ein. Eine von der Hamburger Handelskammer in Auftrag gegebenen Studie hat die Erwartungen hiesiger Unternehmen abgefragt. Danach sind technische Kompetenzen nur ein Teil dessen, was die Wirtschaft von Schulabsolventen erwarte. Die persönliche Kompetenz und die kritische Reflexion der Schülerinnen und Schüler über Vor- und Nachteile der digitalen Medien seien genauso wichtig.

Schulsenator Rabe machte im weiteren Gespräch deutlich, dass das Thema digitale Bildung in der Hamburger Schulbehörde sehr ernst genommen werde. So sei in der Behörde ein Chief Digital Officer (CDO) berufen worden, der alle Aktivitäten in diesem Bereich bündele. Es gelte, die Schulen bei ihren Aktivitäten zu unterstützen und gleichzeitig sicherzustellen, dass das Thema dort auch wirklich langfristig stattfinde. Dazu überprüfe die Schulaufsicht bei ihren halbjährlichen Besuchen in den Schulen unter anderem auch den jeweiligen Stand der Umsetzung schulischer Medienbildung.

Rückmeldung aus der Praxis

Aus dem Publikum meldete sich Carsten Arnheim als Hamburger Vertreter der in der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) organisierten Lehrkräfte. Aus GEW-Sicht sei Medienbildung eine sehr wichtige Aufgabe. Sie müsse jedoch Teil der normaler schulischen Arbeit sein und dürfe nicht von besonders engagierten Lehrkräften zusätzlich erwartet werden. Die gelte auch für die in den meisten Schulen ungeklärte Wartung digitaler Medien. Hier müsse eine personelle Lösung sichergestellt werden.

Senator Rabe warb auch für eine Kooperation von Schulen mit externen Fachleuten, Projekten und Stiftungen. Auch auf diese Weise ließe sich die schulische Medienbildung anstoßen und vorantreiben. Auf Nachfrage räumte er ein, dass die Schulbehörde hier noch nach Wege suche, solche Kooperationen effektiv zu unterstützen. Politikerin Treuenfels-Frowein mahnte an, die Schulbehörde müsse auch hier „mehr Gas geben“. Außerschulische Partner könnten Schule entscheidend voranbringen.

Fazit

Eine spannende und konstruktive Diskussion mit einem Schulsenator und einer Bildungspolitikerin, die sich beide deutlich für die Verbesserung der schulischen Medienbildung in Hamburg einsetzen - wenn auch mit unterschiedlichen Akzenten.


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angedockt: Medienbildung Hamburg

Die Veranstaltungsreihe ist eine Kooperation von Mediennetz Hamburg e.V., Medienanstalt Hamburg / Schleswig-Holstein (MA HSH) und Hamburgs Comunity-Sender und Ausbildungskanal TIDE.

Die FachsprecherInnen für Bildung und Medien aus den Hamburger Bürgerschaftsfraktionen begrüßen die Veranstaltungsreihe und sehen sie als Chance, das Thema „Medienbildung“ in der Stadt sichtbarerer zu machen. In Gesprächen betonten u.a. Hansjörg Schmidt, Karin Prien, Farid Müller, Stephan Jersch und Anna von Treuenfels-Frowein, dass die öffentliche Debatte um Medienbildung in der „Digitalen Stadt“ Hamburg unerlässlich ist. Umsetzungsmöglichkeiten und Förderungsbedarf, die daraus entstehen, müsste die Hamburgische Bürgerschaft im Anschluss an das von der Bürgerschaft 2013 beschlossene „Rahmenkonzept Medienkompetenzförderung Hamburg“ mitgestalten und mittragen.