Gemeinsam gegen Hass im Internet:
Das „Connect for REspect!“-Vernetzungstreffen in Norddeutschland
Was haben die Medienanstalten, die Landeskriminalämter sowie Bildungseinrichtungen und Beratungsstellen aus dem queeren Umfeld norddeutscher Bundesländer gemeinsam? Sie alle setzen sich für ein faires, demokratisches Internet ein. Um zusammen noch wirksamer gegen Fake News und Hate Speech vorzugehen, haben die Meldestelle „REspect! Im Netz“ und die MA HSH jetzt in Hamburg ein Vernetzungstreffen für Expert:innen verschiedener norddeutscher Institutionen organisiert.
„Wer von Ihnen hat denn schon einmal mit einer Landesmedienanstalt zusammengearbeitet?“, fragt Eva-Maria Sommer, Direktorin der MA HSH, in ihrer Begrüßungsrede die Teilnehmer:innen. Einige Finger gehen in die Höhe. Immerhin, aber dennoch wird deutlich: Da ist noch Luft nach oben!
Denn wenn es darum geht, unzulässige Inhalte aus dem Internet zu entfernen, führt an den Landesmedienanstalten kein Weg vorbei, wie Bodil Diederichsen, Bereichsleiterin bei für Standortförderung und Medienpolitik der MA HSH, in ihrer Präsentation aufzeigt: Nur die Landesmedienanstalten sind als staatsferne Aufsichtsbehörden berechtigt, bei Plattformanbietern wie YouTube oder TikTok mit medienrechtlichen Verfahren Löschungen voranzutreiben – zur Not durch Zwangsgelder oder Haftstrafen. Und das ist dringend nötig, wie sie weiter ausführt.
Laut der aktuellen JIM Studie 2025 etwa sind rund 67 % der zu ihrer Online-Nutzung befragten Jugendlichen im Vormonat Fake News begegnet, ein großer Anteil (47 Prozent beziehungsweise 46 Prozent) hatte außerdem Kontakt mit Hassbotschaften und Verschwörungstheorien. Alle Werte sind im Vergleich zum Vorjahr gestiegen.
Gleichzeitig wächst aber auch das Bewusstsein, dass das Internet kein rechtsfreier Raum ist und unzulässige Inhalte gemeldet, gelöscht und auch strafrechtlich verfolgt werden können. Davon berichtet Ahmed Gaafar, Leiter von „RE!spect im Netz“, der öffentlich geförderten Meldestelle der Jugendstiftung Baden-Württemberg. bei seinem Vortrag.
2024 gingen in seiner Organisation im Durchschnitt täglich 89 Meldungen von unzulässigen Netzinhalten ein – ein Drittel mehr als im Vorjahr. Die gemeldeten Inhalte gibt RE!spect im Netz an die Landesmedienanstalten weiter, damit diese über bevorzugte Meldewege von den Inhalte- beziehungsweise Plattformanbietern gelöscht werden. Bei strafrechtlicher Relevanz werden zudem Strafanzeigen bei den Strafbehörden gestellt.
Beim anschließenden „World Café“ stellen die Teilnehmer:innen in unterschiedlichen Zusammensetzungen ihre beruflichen Herausforderungen und Bedürfnisse dar und sondieren Gemeinsamkeiten und Schnittstellen.
Schnell wird deutlich: Trotz unterschiedlichster Arbeitgeber gibt es davon einige. Eine der zentralen aufkommenden Fragen: Wie können wir Menschen, die mit Hassbotschaften konfrontiert sind, besser erreichen, um Hilfsangebote aufzuzeigen?
Eine Teilnehmerin berichtet etwa, dass ihr Angebot, Mädchen und junge Frauen für eine sicherere und selbstbewusste Teilhabe im Netz zu schulen, seitens der Bildungsträger viel zu wenig nachgefragt werde: „So etwas können wir zeitlich einfach nicht unterbringen“, würden die Schulen sie häufig abweisen. Als sehr hilfreich habe sich hingegen die gezielte Vernetzung mit engagierten Pädagog:innen erwiesen.
Nach dem theoretischen Input folgt der Praxisteil: „Erzähle Deinem Gegenüber in fünf Minuten, was man unbedingt über deine Arbeit wissen sollte“ – lautet eine der Aufgaben der Workshop-Übungen in wechselnden Zweiergruppen.
Als weitere Hindernisse werden mehrheitlich zu bürokratische Strukturen, eine unzureichende Gesetzgebung sowie finanzielle und personelle Knappheit bei gleichzeitig wachsender Arbeitsbelastung genannt.
Zu letzterem tragen auch KI-Tools bei: ChatGPT und Co wirken als Katalysatoren in Punkto Hetze im Netz – innerhalb von Sekunden können massenhaft Hassbotschaften erstellt und verbreitet werden. Gleichzeitig nutzen und schätzen viele der Anwesenden KI-basierte Software um „die KI mit ihren eigenen Mitteln zu schlagen“, wie es ein Teilnehmer formuliert – etwa um das Netz systematisch nach unzulässigen Inhalten zu durchsuchen.
Neben allen entdeckten Gemeinsamkeiten gibt es in der Runde aber vor allem viele Aha-Momente, wie sich die Arbeit der jeweiligen Institutionen sinnvoll verbinden lässt.
Deswegen werden auf dem ersten „Connect for REspect“-Treffen in Norddeutschland nicht nur Erfahrungen ausgetauscht, sondern am Ende auch viele Visitenkarten und Telefonnummern.