Medienbildung an deutschen Schulen mit starken Mängeln: Neue Expertise zeigt: Vorgaben in Lehrplänen sind zu unverbindlich
Norderstedt, den 6. April 2010 – Wie wird im Schulalltag auf die Medienwelten von Kindern und Jugendlichen eingegangen? Ist die Förderung von Medienkompetenz ausreichend in den Lehrplänen verankert?
Antworten auf diese Fragen liefert die heute veröffentlichte, von der Medienanstalt Hamburg / Schleswig-Holstein (MA HSH) bei der Universität Hamburg in Auftrag gegebene Expertise „Medienbildung – (k)ein Unterrichtsfach“. Die Medienpädagogen Prof. Dr. Rudolf Kammerl und Sandra Ostermann haben dazu die Lehrpläne aller Bundesländer und deutschsprachigen Länder überprüft und Interviews mit Experten in Forschungseinrichtungen und Schulbehörden geführt.
Das Ergebnis zeigt: Zwar finden sich inzwischen in allen Bundesländern Vorgaben zur Medienerziehung und zur Förderung von Medienkompetenz, es fehlt aber an konkreten Hinweisen, wann und wie sie umgesetzt werden sollen. Eine Verbindlichkeit ist ebenso wenig gegeben wie eine Kontrolle, inwieweit Schülerinnen und Schüler tatsächlich ein Mindestmaß an Medienkompetenz erreichen. Hier könnte die Einführung eines eigenen Unterrichtsfaches Abhilfe schaffen, allerdings gebe es nach Aussage der befragten Experten hierfür kaum eine bildungspolitische Mehrheit.
„Wenn Medienbildung in den bisherigen Fächerkanon integriert werden soll, so muss dies verpflichtend eingefordert und die erfolgreiche Umsetzung überprüft werden. Medienkompetenz ist als Schlüsselqualifikation in der heutigen Informationsgesellschaft zu zentral, als dass sie weiterhin so randständig wie bisher behandelt werden darf“, so Kammerl. Neben einer Sicherung von Mindeststandards an allen Schulen sei auch eine medienpädagogische Grundbildung in der Lehrerausbildung dringend notwendig. „Auch wenn Lehramtsstudierende schon Fertigkeiten im Umgang mit Computer und Internet mitbringen, so sind sie in Sachen Informationsrecherche und im Umgang mit Medien noch weit von einer Vorbildfunktion entfernt“, resümiert Kammerl.
Im Rahmen des Medienkompetenztags der MA HSH am 8. April 2010 ab 9.30 Uhr im Studiogebäude auf dem Kunst- und Mediencampus Finkenau in Hamburg wird Prof. Dr. Rudolf Kammerl bei seiner Einführung in die Diskussion zum Thema „Schule – Lernort für Medienbildung?“ auf die Studienergebnisse eingehen.
Auf dem Medienkompetenztag mit renommierten Experten und den Senatorinnen Christa Goetsch und Prof. Dr. Karin von Welck wird es in Vorträgen und Gesprächsrunden um das Medienverhalten von Kindern und Jugendlichen gehen, Diskussionsthema ist neben der schulischen Medienbildung auch die Mediennutzung im familiären Alltag. Unter dem Titel „Medienkompetenz praktisch“ stellen außerdem Projekte und Initiativen ihre Arbeit vor.
Weitere Informationen zum Medienkompetenztag unter: www.ma-hsh.de.
Bei Fragen zu dieser Pressemeldung wenden Sie sich bitte an die Medienanstalt Hamburg / Schleswig-Holstein (MA HSH), Pressesprecherin Leslie Middelmann, Telefon 040 / 36 90 05-23, E-Mail middelmann@ma-hsh.de. Weitere Informationen über die MA HSH sind unter www.ma-hsh.de verfügbar.
